Vor ein paar Wochen: Wir wollen einkaufen gehen. Nachdem wir es durchs Stiegenhaus geschafft haben, möchte Flora zwar mit dem Wagele unterwegs sein, aber bloß nicht drin sitzen, sondern es selber schieben. Nun gut, wir haben ja Zeit. Raus auf den Gehsteig, dann übergebe ich den Wagen. „Pass aber auf, dass du niemanden anfährst – kein geparktes Fahrrad oder ähnliches , ja?“ Gesagt, getan – Flora bleibt alle 3 Schritte stehen und kontrolliert, ob sich ihr spontan etwas in den Weg stellt. Wenn ich mir anmaße, ihr zu helfen, endet das lautstark in „nein, selba sieben. kanni alleine“. Nur über die Straße lässt sie sich helfen. Wir kommen an sauber geputzten Autos vorbei und sie sieht sich selber im Spiegel: „Flora klein bin i“ und muss sich minutenlang beobachten. Die erste Ampel ist in Sicht. Wenn wir die Straße überqueren, dann nur mit einem „Mama, snell laufen“, damit uns auch sicher kein Auto erwischt.
Nach endlosen 15 Minuten erreichen wir den Supermarkt. Natürlich schiebt Flora den Wagen selbst hinein. Und dann kommt der entzückendste Moment des ganzen Einkaufs. Mit lauter Stimme und voller Stolz begrüßt sie am späten Nachmittag den immer freundlichen jungen Mann an der Kassa mit „Guten Morgen“ und spaziert zwischen den Gemüse- und Obstregalen zielstrebig zu den Tomaten. Weil wir noch welche zuhause haben, überredet sie mich, stattdessen Zwiebeln zu kaufen, die aber unbedingt sie tragen muss, weil sie so besonders bequem in einem Netz mit Tragegurt eingepackt sind. Weiter geht’s zu den Nudelen. Wir begutachten ausgiebigst alle Sorten, Flora muss beinahe jede Packung in die Hand nehmen, legt sie aber brav wieder zurück, nur um zu erzählen, dass sie gerne Nudeln isst und dass sie wie daheim aussehen („gleiche, wie daheim“). Auf ihr Angebot, auch ein Glas Sugo mitzunehmen, gehe ich nicht ein. Gebratene Zwiebelringe und Suppenwürfel lassen wir heute ausnahmsweise mal unbeachtet, auch die Bohnendosen und das Sauerkraut werden verschmäht. Und so stehen wir recht rasch vor der Fleischtheke und einigen uns auf eine große Packung geschnipselten Speck. Auch an den süßen Saftln kommen wir gut vorbei, beim Käse kommt wieder der Feinschmecker in Flora ans Tageslicht. Ambitioniert schlägt sie mir Spätzlekäse zu den Nudeln vor, der war auf Dauer aber zu kalt, um ihn in den Händchen zu behalten. Ich darf noch Parmesan auswählen und schon steht Flora vor den Gogurts, die sie alle betatscheln muss. Und natürlich alle nur am Deckel angreift und mir zeigen muss. Ich seh mich schon die ganze Joghurtsauerei aufwischen, aber es geht alles gut. Wir suchen Frühstücksjoghurts für uns aus, laden Milch dazu in den Wagen und schleichen uns an der Süßwarenabteilung vorbei.
Während des gesamten Einkaufs trägt Flora ihren Zwiebeleinkauf selber und es ist natürlich Ehrensache, den Einkauf selbst auf das Förderband zu legen. Wir bezahlen und machen uns auf den Heimweg, nicht ohne vorher bei der Kassierin ein Schlüsselband abzusahnen. Wie gut, dass wir den Wagen dabei haben, die Einkäufe werden auf der Sitzfläche verstaut und Flora will den Wagen heim schieben, was sich mit zwei gut gefüllten Händen jedoch nur schwer erledigen lässt.
Weitere 15 Minuten später ist das Haus zumindest in Sichtweite und Flora ist superzufrieden, dass sie mir eine soooo große Hilfe war. Wie lange wir für den ganzen Ausflug gebraucht haben? Eh nur eine Stunde! 😉
