{Flora} – Und schwupp, plötzlich waren 4 Schuljahre um

Was für ein Einschnitt, vom behüteten Kindergartenleben in die Schule. Welche Aufregung! Was erwartet uns – die Schülerin und auch uns Eltern? Sind wir dem Ganzen überhaupt gewachsen? Wird sie Schule mögen? Lernen, üben, Spaß haben, Stress haben und hoffentlich trotzdem einen guten Start ins lebenslange Lernen haben?

Ja. Wir hatten Glück. Eine Lehrerin, die die Kinder dort abholte, wo sie standen. Organisatorisch manchmal etwas verpeilt (ich denke an viele, viele späte Whatsapp-Nachrichten zum Unterricht am nächsten Tag), aber lieb mit den Kindern. Streng, wenn’s notwendig ist. Verständnisvoll, fordernd, fördernd, die Träumerin einfangend. Es wurde viel gesungen, getanzt, gespielt, gelernt, gelacht – aus Mama-Sicht sind es 4 gute, feine Jahre gewesen.

Adventsmarktsingen, Fasching, Wandern, Erstkommunion, Sportwochen (Schwimmwoche, Winterwoche, viele Sporttage)… Und dann kam Corona. Schwupp. Alles aus. Stattdessen Homeschooling. Die halbe dritte und ein Teil der vierten Klasse. Puh. Das war schwierig.

Der allererste Lockdown war schulisch gesehen – schrecklich. 

Selbstverantwortliches Lernen einfach so aus dem Nichts – das klappte natürlich nicht. Nicht wissend, wie lange es dauern wird, hangelten wir uns über die Tage und Wochen. Die Betreuung wenig ausnutzend (wir erinnern uns – wir sollen ja nicht!), irgendwann wurden wir auch schlauer. Dieser erste Lockdown bis zum Ende der 3. Klasse, das war ein hartes Stück Arbeit. Und am Ende ein unglaublicher Reifungsprozess bei Flora. Wow.

Nach den Sommerferien war sie dann „plötzlich“ in der vierten Klasse. Ein wichtiges Jahr, Entscheidungen mussten getroffen werden. Den ersten “Schul-Schreck” hatte ich schon in der zweiten Schulwoche – Schularbeiten! Referate! In Mathe und Deutsch, Sachunterricht. Puh. Und, was machte Flora – natürlich: sie meisterte auch die ersten Schularbeiten (wurde anfangs von den etwas zu hohen Erwartungen an sich selbst überrollt) und dann: schon wieder Lockdown. Der Start war wieder schwer, aber die Erkenntnis der Schülerin, dass man selbst für sein Glück und seine Freizeit verantwortlich ist, hilft. Und auch die Tatsache, dass wir jetzt ja zwei Schüler haben, die sich gegenseitig etwas motivieren. Wir Eltern haben gelernt, dass Flora eher der Typ: „möglichst spät mit möglichst wenig Aufwand den größten Erfolg zu produzieren“ ist. Was soll ich sagen – es klappt.

Telefonische Elternsprechtage folgten (die Einschätzung der Lehrerin deckte sich zum Glück mit unserer), und irgendwann im Feber/März machten wir dann die Anmeldung für die nächste Schule. Wir bleiben schulisch gesehen noch 4 Jahre im Dorf. Der Direktor der Mittelschule freute sich sehr, dass die Einserschülerinnen auch die Mittelschule im Dorf schätzen und „hier“ bleiben. Nachher steht die Schulwelt erst recht offen.

Die Wochenaufgaben im nächsten Lockdown (der dritte) stressten dann schon weniger, es fanden Zoom-Klassen-Konferenzen statt, damit die Kinder in Kontakt bleiben konnten. Nach der Rückkehr in die Schule kam schnell eine erste Quarantäne. Zwei Schüler waren positiv getestet, die Kinder mussten regelmäßig zum PCR-Test und saßen in Quarantäne (schon wieder mit Homeschooling).

Und weil wir nicht genug davon bekamen, bäm – zum Muttertag nochmals Quarantäne, allerdings nur für unsere Familie. Denn irgendjemand (hüstel….) hat sich mit Corona angesteckt….

Ab Ende Mai geschah nicht mehr viel in der Schule, die vielen Feiertage ließen das Schuljahr langsam zu Ende gehen. Das Wetter wurde besser, die Aktivitäten im Freien nahmen wieder zu, ein Hauch von Normalität vor Corona kam für die Kinder zurück. Die Fahrradprüfung wurde locker lässig erledigt, Volleyball im Verein durfte wieder starten, Geburtstagsparties fanden am laufenden Band statt, Übernachtungsparties bei Freundinnen, das Schwimmbad rief nur allzu laut, der Freiheitsdrang der 10jährigen wird immer größer.

Die Klassenlehrerin übte das Abschlusslied in zig Strophen („wer hat an der Uhr gedreht…..“) und war selber ganz hin und her gerissen zwischen dem Abschied ihrer ersten Klasse in Inzing und dem Neustart mit einer Horde kleiner 6jähriger Schulanfänger.

Beinahe hätten wir uns ohne Klassenfoto aus der Vierten verabschiedet, aber ich kenne da jemanden, der gut und gerne fotografiert und mit den Kindern einen guten Schmäh führt. Auf den Fotos sieht man – sie hatten es sehr lustig.

Mit dem nahenden Ende der 4. Klasse wurde Flora doch etwas traurig, wehmütig, unsicher. Der Abschied von dem bekannten Umfeld machte ihr ein bisschen zu schaffen. Mittlerweile wissen wir, dass gut die Hälfte ihrer Volksschulklasse in die 1b der Mittelschule wechselt (vor allem die allerbeste Freundin). Juhu!

Der Schritt ins Unbekannte ist spannend, in dem kleinen, schlauen Köpfchen catchen Freude und Zweifel und Unsicherheit um die Wette. Da hilft nur kuscheln und Mut zusprechen. Und die Ferien genießen. In einem halben Jahr wissen wir mehr. Doch jetzt – jetzt heißts: Schluss, aus, Ende. Vier Jahre tolle Jahre Volksschule sind vorüber. Danke auch an die Lehrerin. Was für ein Kompliment an sie ist es, wenn beinahe die ganze Klasse Abschiedstränchen weint, weil es einfach eine so tolle Zeit war!

Flora, du hast das wunderbar gemacht, uns überrascht, überzeugt, manchmal in den Wahnsinn getrieben, aber immer wieder bewiesen, wie gut du bist. Wir sind sehr stolz auf dich. (Als ich eine Viertklasslerin war, konnte ich nicht mit einem Einserzeugnis angeben!)


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